Adi's FußballeckeWM 2018

Riesenspektakel – oder wie Spanien den Sieg aus der Hand gab.

Aufstellung

Portugal begann das Spiel in einer 4-2-2-1-1 Formation,           
wobei Ronalde die Spitze besetzte und
Guedes statt André Silva leicht versetzt dahinter agierte.
Ansonsten gab es keine Überraschung in der Aufstellung.

Spanien begann in ihrem typischen 4-1-4-1,
wobei Silva auf rechts etwas höher stand als Isco links.
Die größte Überraschung war aber,
dass Thiago zunächst auf der Bank Platz nehmen musste.
Stattdessen begann der defensiv stärke Koke.

1. Halbzeit

Spanien versuchte von Anfang an über sein berühmtes Kurzpasspiel die Kontrolle über das Spiel zu bekommen. Wobei sie bei eigenem Ballbesitz schon fast in einem 2-4-4 oder 2-4-1-3 agierten. Die Außenverteidiger schoben auf Höhe des Mittelfeldes vor und die Außenangreifer dementsprechend auf Höhe des Zentralenstürmers.

Portugal reagierte darauf mit einer 4-4-2 Formation, die ab Höhe der Mittelline begann die Spanier zu attackieren. Interessant war, dass sie Iniesta in eine Art Manndeckung nahmen. Dies geschah aber nicht durch einen einzelnen Spieler, sondern die Portugiesen übergaben ihn clever. Darüber hinaus versuchten die Portugiesen Überzahl in Ballnähe zu erzeugen. Ziel war es im richtigen Moment zu attackieren, den Ball zu erobern und direkt eine Anspielstation zu haben. Die Aufgabe der Anspielstation war es den Ball hoch auf die gegnerische Abwehr zu spielen, so dass Portugal mit ihren schnellen nachrückenden Spielern die 2. Bälle erobern konnte. Einer dieser Momente führte bereits in der 4. Minute zur Führung für Portugal. Ein schlechter Pass der Spanier wurde von Portugal abgefangen und gleich lang gespielt. Die Abwehr konnte nur per Kopf klären und Portugal den 2. Ball erobern. Dieser wurde in die Spitze auf Guedes gespielt. Ramos konnte zunächst klären. Dieser Ball landete aber wieder bei Portugal und brachte Ronaldo in eine 1 gegen 1 Situation gegen Nacho. Dieser konnte sich nur durch ein Foul helfen. So gab es zu Recht Elfmeter den Ronaldo sicher verwandelte.

Die frühe Führung spielte natürlich den Portugiesen in die Karten. Sie konnten sich jetzt in ihrem
4-4-2 an der Mittelline postieren und abwarten. Jedoch wurden sie zu keiner Zeit passiv. Die beiden vorderen Spieler liefen die spanischen Innenverteidiger gut an, die 4 Reihe dahinter übergab Iniesta und Busquets gut und rückte situativ und nannorientiert raus. Spanien versuchte konzentriert weiter sein Spiel durchzubringen.

Mit fortlaufender Spielzeit versuchten  Iniesta und Busquets sich von ihren Bewachern zu lösen und rückten abwechselnd entweder zwischen die Innenverteidiger (Busquets) oder links neben die Verteidiger (Iniesta) umso von dort das Spiel aufzubauen. Auch darauf reagierten die Portugiesen gut, indem sie dann im 4-3-3 anliefen und so die Ausrichtung der Spanier spiegelten.

In dieser Phase des Spiels waren die Rollen klar verteilt. Spanien hatte den Ball und wollte das Spiel gestalten, Portugal versuchte sicher zu verteidigen, das Zentrum dicht zu machen und zu kontern.

Dabei schafften die Spanier ein ums andere Mal die Schwächen der Portugiesen aufzudecken. Immer wenn das Spiel schnell gemacht wurde hatte Portugal Probleme in Ball Nähe eine Überzahl herzustellen. Kam Spanien dann in den Strafraum waren die Schwächen in der Endverteidigung der Portugiesen klar zu erkennen. Auch ließen die Portugiesen etwas zu viel Platz auf dem Flügel um das Zentrum zu verdichten.

So fiel, wenn auch untypisch für Spanien, der Ausgleich aufgrund mangelnder Endverteidigung.
Ein langer Ball aus der eigenen Hälfte landete bei Costas, der sich im Luftduell, wenn auch regelwidrig, gegen Pepe durchsetzen. Dennoch hätte Portugal mit 3 gegen 1 noch alles klären können. Costas, nicht als bester Techniker bekannt, spielte mit der portugiesischen Verteidigung Katz und Maus und konnte 3 Haken am Stück vollziehen und trocken links unten verwandeln.

Jetzt war Spanien am Drücker und rotierte viel im Mittelfeld. Iniesta, Silva und Isco tauschten ständig die Position und stellten damit Portugal vor Probleme. Dazu kam, dass Spanien immer sicherer am Ball wurde. Portugal wurde immer weiter hinten reingedrückt und kam kaum noch zu Entlastungen.
So kam Spanien zu einigen vielversprechenden Chancen, die aber nicht genutzt wurden.

In dieser Phase machte Portugal es genau richtig, man verschob geduldig von links nach rechts und wartete auf die beste Möglichkeit um den Ball zu erobern. Wenn kein Platz zum Kontern war, wurde das Tempo verschleppt und der Ball kontrolliert. Wenn man dann in Tornähe war, wurde die Flanke auf Ronaldo gespielt. Wenn das misslang gab es im schlimmsten Fall Abstoß für Spanien. Dadurch wurde das Spiel sehr langsam und Spanien musste bei Ballgewinn immer mühsam hintenrum aufbauen.

Das 2:1 fiel auch genau aus solch einer Situation heraus. Der Versuch nach spanischer Ecke schnell zu kontern, dann die ruhige Ballzirkulation in der spanischen Hälfte, der Pass zur Grundlinie, der Versuch Ronaldo mit einer Flanke zu finden. Anschließend die Eroberung des zweiten Balles und ein Schuss von Ronaldo, der aufgrund eines Torwartfehlers, ins Tor geht.

2. Halbzeit

In der 2. Hälfte gab es eigentlich das gleiche Bild wie in der erste. Spanien ließ den Ball laufen und versuchte sich Chancen zu erspielen und Portugal verteidigte und versuche zu kontern. Jetzt aber war das Spiel der Spanier noch zielorientierter und genau. Es gab mehr Bewegung und wenn Spanien erstmal im oder am Strafraum war, hatte Portugal Probleme.

Ein schöner Freistoßlupfer von Silva in den Strafraum, führte so auch zu Ausgleich. Busquets war am rechten Pfosten zur Stelle um den Lupfer direkt nach innen zuspielen wo Costa nur noch einschieben musste. Eine schöne Variante.

Direkt nach dem Ausgleich legte Spanien das 2:3 nach. Isco und Silva spielten links im Strafraum 4 Portugiesen schwindelig, Carvalho versucht zu klären aber der Ball ist zu kurz und landet bei Nacho. Ein satter Schuss vom 16er und schon war es passiert.

Jetzt hatte Spanien das Spiel komplett unter Kontrolle, ließ Ball und Gegner lauf. Portugal rannte nur noch hinterher und kam kaum noch an den Ball. Wenn sie ihn dann doch mal hatten, war er schnell wieder weg.

Auch die offensiven Wechsel der Portugiesen brachten wenig. Spanien ließ sie zwar ab und an mal in Strafraumnähe aber viel kam dabei nicht rum.

Was sich die Spanier vorwerfen lassen müssen, ist dass sie nicht konsequent weitergespielt haben. Viel mehr hatte man den Eindruck das die Spanier nur noch verwalteten. Es gab keinen Zug mehr nach vorne, keine Aktion mehr Richtung Tor, nur noch sinnloses Ball hin und her Geschiebe.

Spanien war sich sicher das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Das sollte sich aber rächen. Ein Ballverlust von Spanien, ein Freistoß Zentral vor dem Tor, ein Schuss von Ronaldo und schon stand es 3:3. Kurz danach war Schluss.

Fazit

Portugal hat stark angefangen und taktisch sehr diszipliniert agiert. Die Konter wurden schnell vorgetragen und waren oft gefährlich. Auch die Tempogestaltung war, speziell in der ersten Hälfte, gut. Die Endverteidigung bleibt die große Schwachstelle der Portugiesen. In der Form könnte es für das Viertelfinale reichen, mehr aber auch nicht.

Spanien gibt einen sicheren Sieg noch aus der Hand. Beeindruckend war aber die Ruhe auch bei 2-maligem Rückstand und das Vertrauen in die eigene Stärke. Sollte Spanien seine Spiele jetzt noch konsequent zu Ende spielen, sind sie ein heißer Titelkandidat.

Spielstatistik

Portugal

3:3

Spanien

34%

Ballbesitz

66%

83%

Passquote

92%

9

Torschüsse

13

 

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